Schulgeschichte

Durch die Reformation kam es nicht nur zur Spaltung der Kirche, sondern sie hatte auch umfassende Veränderungen in Politik und Gesellschaft zur Folge. Unter anderem wurde der Bildung nun ein ganz anderer Stellenwert zugesprochen. Die Reformatoren legten großen Wert auf Bibelkenntnis und das Lesen der „Heiligen Schrift“, wodurch Bildung und Alphabetisierung für breite Bevölkerungsschichten wichtiger wurden. In der Folge entstanden in vielen Orten, auch auf dem Land, erste Schulen. Auch die Anfänge der Achimer Schulbildung liegen in dieser Zeit. Der Achimer Gohgrefe Lüder Clüver (siehe Station 3) ließ im Jahr 1598 eine erste Schule bei der St.-Laurentius- Kirche einrichten. Bis ins frühe 19. Jahrhundert war dort die Dorfschule, eine typische Zwergschule, in der klassenübergreifend unterrichtet wurde. Als das Schulgebäude bzw. der Unterricht den wachsenden Ansprüchen nicht mehr gerecht wurde, errichtete man um 1827 ein neues Schulgebäude, die sogenannte „Alte Schule“. Doch auch in dem neuen Schulgebäude reichte der Platz bald nicht mehr aus: Die Klassen waren überfüllt, oft mit mehr als 90 Schülerinnen und Schülern in einem Raum. Als die Situation untragbar wurde, entschied der Schulvorstand 1892 den Bau einer neuen, repräsentativen Schule. Der junge Achimer Architekt Johann Hinrich Meislahn erhielt den Auftrag, und bereits im Sommer 1894 wurde die neue Marktschule eingeweiht. Der neogotische Backsteinbau mit den hohen Fenstern und dem markanten Giebel entsprach ganz dem Schulbau der wilhelminischen Epoche. Die Marktschule war damals ein modernes Gebäude mit zahlreichen Klassenräumen, einem großen Schulsaal und einer eigenen Turnhalle.

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https://www.kreiszeitung.de/lokales/verden/achim-ort44553/hohe-fenster-

schuetzen-turnmaedchen-12969256.html

Im 19. und frühen 20. Jahrhundert war der Blick auf Schule und Erziehung noch völlig anders als heute. Die damaligen „Volksschulen“ dienten nicht nur dem Wissenserwerb, sondern auch der „körperlichen Ertüchtigung“. Die Turnhalle konzipierte Meislahn mit hochgesetzten Fenstern, „damit die Jungs nicht reingucken konnten, wenn die Mädchen turnten“ 1 . Es ist ein Beispiel dafür, wie stark die damalige Gesellschaft von starren Geschlechterrollen geprägt war und wie diese Vorstellungen sogar die Architektur beeinflussten.