Achimer Gohgericht

Die Anfänge des Achimer Gohgerichts reichen bis in die sächsische Zeit zurück. Um das Jahr 400 n. Chr. ließen sich die Sachsen in der Region nieder. Ihr Land war in sogenannte Gaue untergliedert, die eine frühe Verwaltungsstruktur darstellten. In jedem Gau gab es zentrale Versammlungsplätze, an denen sich die freien Männer – also diejenigen, die eigenes Land besaßen – regelmäßig trafen, um Streitigkeiten zu schlichten und Recht zu sprechen. Diese Versammlungen bildeten die sächsischen Gohgerichte, bei denen die Männer einen Anführer, den Gohgrafen, wählten. Mehrmals im Jahr fanden Gerichtsverhandlungen statt, bei denen eine Anwesenheitspflicht herrschte. Zumeist befasste man sich dort mit kleineren Vergehen, doch auch schwerwiegendere Delikte kamen zur Verhandlung. Es existierte damals nur mündliches Recht, denn umfassende schriftliche Aufzeichnungen kannten die Germanen nicht. Mit der Christianisierung im 8. und 9. Jahrhundert veränderte sich das Rechtswesen grundlegend. Karl der Große übernahm die Idee der Gohgerichte, veränderte jedoch die Gaugrenzen und ließ an den Orten der sächsischen Gerichtsstätten erste Kirchen errichten, so auch in Achim. Die St.-Laurentius- Kirche wurde zur Mutterkirche des Achimer Gohgerichts. Zusätzlich ernannte Karl der Große nun die Gohgrafen, meist Adelsfamilien aus der Region. Im 10. und 11. Jahrhundert erwarb der Bremer Erzbischof die Grafenrechte zwischen Elbe und Weser, wodurch er nun die Leitung der Gohgerichte ernennen konnte. Viele Jahre erfüllte ein Langwedeler Vogt diese Aufgabe, er lebte in der inzwischen abgegangenen (zerstörten) Burg Langwedel. Im frühen 15. Jahrhundert kam es im Achimer Gohgericht jedoch zu einem bemerkenswerten Wandel: Die Rechtsprechung kehrte wieder zu den Menschen vor Ort zurück. Die Stände des Bremer Erzbistums entzogen dem Langwedeler Vogt die Verwaltung und erlaubten den Achimern erneut, ihre eigenen Gohgrafen zu wählen. Damit wurden die alten sächsischen Traditionen wiederbelebt und die Gerichtsverhandlungen fanden wieder regelmäßig unter einer Linde an der Achimer Kirche statt. Ein steinerner Richterstuhl diente als symbolischer Mittelpunkt; seine Reste waren noch bis um 1700 sichtbar. Dreimal im Jahr wurden feste Gerichtstage abgehalten – am Dreikönigstag (6. Januar), am St.-Veit-Tag (15. Juni) und am Dionysius-Tag (9. Oktober). Bei dringenden Streitfragen konnten zusätzliche Tage angesetzt werden. Die Teilnahme war für die Bürger verpflichtend. In Achim übte die Funktion des Gohgrafen über viele Jahrhunderte die Adelsfamilie Clüver aus. Das Achimer Gohgericht blieb bis ins 19. Jahrhundert bestehen, bevor es durch das Amtsgericht Achim mit freier Gerichtsbarkeit ersetzt wurde. Das heutige Amtsgerichts- gebäude wurde 1864 fertiggestellt.
Die Germanen hatten keine umfassende Schriftkultur, weil ihre Stammesgesellschaft wenig Bedarf an schriftlicher Verwaltung oder Dokumentation hatte. Wissen und Traditionen wurden überwiegend mündlich weitergegeben. Zwar existierte die Runenschrift, sie wurde jedoch nur selten und meist für kultische oder symbolische Zwecke genutzt.
Die Familie Clüver ist ein altes Adelsgeschlecht aus Bremen und dem Stift Verden. Zu den frühesten bekannten Familienmitgliedern zählen Otto von Clüver sowie die Brüder Alverich und Ernst. Ihr Wappen zeigte eine schwarze Bärenklaue, die auch im Achimer Stadtwappen erscheint. Aus dem plattdeutschen Begriff de clawe entwickelte sich schließlich der Name Clüver.
ehemaliger Gerichtsort des Gohgerichts