Altes Rathaus

Im Laufe der langen Geschichte Achims kam es immer wieder zu schweren Verwüstungen des kleinen Bauerndorfes. Besonders im Dreißigjährigen Krieg litt die Bevölkerung unter durchziehenden Heerscharen und es kam wiederholt zu großen Zerstörungen. Beispielsweise explodierte 1626 ein Pulverwagen, was zu einem Großbrand führte. Nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges wuchs die Bevölkerung an, schon bald waren die Bauplätze im mittelalterlichen Dorf rund um die Kirche besetzt. Zunächst hielten Adel und Kirche an den früheren Siedlungsstrukturen fest, was eine Auswanderungswelle in die USA auslöste. Erst dadurch wurde den Herrschenden bewusst, dass sie auf diese Weise zahlreiche Arbeitskräfte verloren. Also gab man im ausgehenden 18. Jahrhundert neue Flächen rund um das Dorf zur Pacht bzw. zur Bebauung frei, sodass die Bevölkerung weiter wachsen konnte. Zu dieser Zeit (um 1790) erhielt der Häusling Heinrich Homeyer vier Morgen Land (etwa 1 Hektar) zur Pacht und das Recht, im Bereich des heutigen Rathausparks ein kleines Haus bzw. eine Hofstelle zu errichten. Im Jahr 1828 kauft Heinrich Tewes die kleine Hofstelle mit etwas Land und errichtete das Teweshaus, heute bekannt als Altes Rathaus. Wenige Jahre später wurde August Tewes (*1831, †1913) in dem Haus geboren. Er war ein bedeutender Rechtswissenschaftler und Rechtshistoriker, lehrte an der Universität Graz, veröffentlichte einflussreiche Werke zum römischen Erbrecht und erhielt hohe Ehrungen wie den Titel Hofrat, den Orden der Eisernen Krone und den Adelsstand. Nach mehreren Eigentümerwechseln kaufte im Jahr 1929 die Gemeinde Achim das Gebäude und richtet hier im Jahr 1930 das Rathaus ein. Bis ins Jahr 1993 diente das Haus als solches, bevor die Verwaltung in das neue Rathaus in der Obernstraße umzog. Heute wird das Alte Rathaus vom Amtsgericht genutzt.
Heute ist es kaum vorstellbar, aber um 1800 gab es rund um Achim zahlreiche offene Sandflächen und Wanderdünen. Berichten zufolge waren die Landstraßen nach Süden immer wieder durch Sand blockiert bzw. unpassierbar. Auch an dieser Stelle (vor dem Alten Rathaus) gab es einen größeren Sandberg. Erst in den 1820er Jahren wurde dieser abgetragen.
In der Neuzeit war ein Häusling ein Landwirt, der kein eigenes Hofland besaß, sondern in einem Haus auf dem Hof eines anderen lebte. Er arbeitete meist als Hilfskraft in der Landwirtschaft oder im Handwerk und war dabei wirtschaftlich vom Grundherrn abhängig. Häuslinge standen sozial zwischen vollwertigen Bauern und Tagelöhnern, besaßen aber oft einen kleinen Garten, um die Familie in Teilen selbst zu versorgen. Häuslinge konnten sich so eine gewisse Eigenständigkeit erarbeiten.