Fachwerkarchitektur
Die Bürger von Herzogenaurach lebten bis ins
19. und teils bis ins 20. Jahrhundert
hauptsächlich vom Handwerk und der
Landwirtschaft – es ist unklar, wie wohlhabend
die Bürger damals gewesen sind. Dokumente
anderer Landstädte weisen darauf hin, dass
viele Bürger der damaligen Zeit arm waren und
gerade so über die Runden kamen. Die heute
prächtig sanierten Fachwerkbauten in der
Altstadt täuschen über die damaligen
Verhältnisse hinweg. Im Mittelalter und der
Neuzeit galt das Fachwerk als ärmlich und teils
sogar rückständig – sodass manch Bürger sein
Fachwerkhaus verputzte, um einen städtischen
„Steinbau“ vorzutäuschen.
Zum Bau eines Fachwerkhauses nutzte man bis
ins 19. Jahrhundert noch immer „einfachste“
Werkzeuge wie eine langstielige Schrotaxt und
große Handsägen. Die gefällten Bäume wurden
bereits im Wald auf das benötigte Maß gekürzt,
man sprach von „bewaldrechtet“. Anschließend
wurde das Holz zur Baustelle transportiert. Auf
dem dort befindlichen „Zimmerplatz“ wurden
die Stämme dann mit einem Breitbeil und
Schottsäge grob in Form gebracht. Nun
mussten die vergleichsweise komplizierten
Holzverbindungen mit ihren unterschiedlichen
Ausführungen von Verblattungen, Verzapfungen
und Verkämmungen hergestellt werden. Hier
kamen wieder andere Werkzeuge zum Einsatz,
wie Beile, Dexel, Kreuzäxte, Lochaxt und
Stemmeisen. Der Ablauf zeigt, wie
arbeitsintensiv allein die Bearbeitung der
Balken war.
Das Fachwerkhaus „Brauerei Polster“ stammt
aus der Mitte des 18. Jahrhunderts und gilt als
eines der schönsten Fachwerkbauten in
Herzogenaurach. Auch hier ist das Erdgeschoss
aus Stein errichtet – was ganz typisch für das
mittefränkische Fachwerk ist. Diese Bauweise
schützte das Balkenwerk des Fachwerks besser
vor Nässe und verhinderte so beispielsweise
Fäulnis an den Balken.