Marktplatz

Die Region rund um Reutlingen ist seit Jahrtausenden besiedelt. Im Bereich der heutigen Stadt ist eine Besiedlung zu alemannischer Zeit belegt, auch der Stadtname geht auf diese Zeit zurück. Urkundlich lässt sich Reutlingen allerdings erst später fassen. Oberhalb der späteren Stadt errichteten die Grafen von Achalm zwischen 1030 und 1050 eine Burganlage, die um 1090 in den Quellen erwähnt wurde. Mit dem Aussterben dieses Adelsgeschlechts wurde Reutlingen erstmals urkundlich erwähnt, im sogenannten „Bempflinger Vertrag“ von 1089/1090. Um 1180 erhielt die Stadt das Marktrecht. Von der Stadterhebung Reutlingens ist keine Urkunde vorhanden, spätestens 1240 wurde Reutlingen zur Reichsstadt. Der deutsche Kaiser Friedrich II. ließ Reutlingen mit einer Stadtmauer befestigen, denn für die deutschen Kaiser war die Reichsstadt inmitten der Grafschaft Württemberg und später des Herzogtums Württembergs als Bollwerk von großer strategischer Bedeutung. Schon um 1400 gab es am Reutlinger Marktplatz ein hölzernes Rathaus. Dieses wurde im 16. Jahrhundert durch einen größeren Renaissance-Fachwerkbau ersetzt. Der repräsentative Bau unterstrich die Bedeutung Reutlingens als Reichsstadt, allerdings wurde das Gebäude wurde beim großen Stadtbrand von 1726 vollständig zerstört. Das heutige Rathaus am Marktplatz ist ein moderner Bau aus dem Jahr 1966. Das heute bedeutendste Gebäude am Markt ist der Spitalhof. Hier wurden jahrhundertelang arme und kranke Bürger versorgt. Erstmals 1333 urkundlich erwähnt, entwickelte sich das Spital im 16. Jahrhundert zu einer wichtigen städtischen Einrichtung mit großem Vermögen und vielen Ländereien rund um die Stadt. Das heutige Gebäude stammt im Kern aus dem Jahr 1555 und wurde nach dem großen Stadtbrand 1731 umgebaut. Mehrere kleine Figurengruppen zieren das Gebäude, deren Alter und genaue Bedeutung ist bis heute nicht geklärt ist.
Spitalhof
Stadtbrände kamen früher in Reutlingen und anderen Städten häufig vor, weil die Häuser eng beieinanderstanden und aus leicht brennbaren Materialien gebaut waren, meist Fachwerkhäuser mit Strohdach. Offenes Feuer zum Kochen und Heizen war alltäglich, wodurch sich Brände schnell ausbreiten konnten. Außerdem fehlten wirkungsvolle Löschtechnik und eine fachkundige Feuerwehr – so war ein Brand oft kaum kontrollierbar.
Die Grafen von Achalm waren ein schwäbisches Adelsgeschlecht, das vor allem im Raum Reutlingen und auf der Schwäbischen Alb herrschte. Ihren Namen erhielten sie von der Burg Achalm, die sie im 11. Jahrhundert bei Reutlingen errichteten. Sie besaßen große Ländereien und hatten bedeutenden Einfluss auf die regionale Politik und Kirche. Das Geschlecht bestand jedoch nur zwei Generationen und starb im 11. Jahrhundert im Mannesstamm aus.