Collegium Illustre

An dieser Stelle stand im Mittelalter ein Franziskanerkloster, das im Jahr 1272 gegründet worden war und bis in die Reformationszeit bestand. Nach der Auflösung des Klosters im 16. Jahrhundert wurden hier das Collegium Illustre, eine Adelsakademie, errichtet. Dort wurden junge Adlige für den Staatsdienst ausgebildet, unter anderem in Rechts- und Verwaltungsfächern. Das Gebäude wurde Ende des 16. Jahrhunderts zu einer großen Vierflügelanlage im Renaissancestil erweitert und war damit eine der bedeutendsten Bildungseinrichtungen der frühen Neuzeit in Württemberg. Nach dem Ende des Collegium Illustre und einer Phase der Umnutzung wurde das Gebäude 1817 erneut grundlegend verändert. König Wilhelm I. von Württemberg ließ dort das katholisch-theologische Wilhelmsstift einrichten. Es sollte katholische Studierende während ihres Studiums an der Universität Tübingen begleiten und auf den Priesterberuf vorbereiten. Seitdem dient das Wilhelmsstift als Ausbildungs- und Wohnort für katholische Theologiestudenten und ist eng mit der Universität verbunden.
Im Collegium Illustre in Tübingen gehörte neben der wissenschaftlichen Ausbildung auch die körperliche und höfische Erziehung zum Alltag der adeligen Studenten. Dazu zählten Übungen wie Fechten, Reiten und Tanz, aber auch Ballspiele, die dem frühen Tennis ähnlich waren. Gespielt wurde dabei vor allem die Vorform des heutigen Tennis, das sogenannte „Jeu de Paume“. Es diente weniger dem Wettkampf als der Unterhaltung und der Ausbildung höfischer Umgangsformen.
Collegium Illustre