Bohnenberger-

Observatorium

Das Bohnenberger-Observatorium zählt zu den bedeutendsten wissenschaftshistorischen Bauwerken Deutschlands. Seine Geschichte reicht bis in das 18. Jahrhundert zurück. Um 1752 wurde auf dem Nordostturm des Schlosses unter dem Mathematiker und Astronomen Georg Wolfgang Krafft (*1701, †1754) eine erste Sternwarte eingerichtet. Seinen Namen erhielt das Observatorium durch den Mathematiker, Astronomen und Geodäten Johann Gottlieb Friedrich von Bohnenberger (*1765, †1831), der die Sternwarte zu Beginn des 19. Jahrhunderts übernahm und zu einem Zentrum der wissenschaftlichen Astronomie und Landesvermessung ausbaute. Bohnenberger war nicht nur ein bedeutender Astronom, sondern auch ein Pionier der Geodäsie (Wissenschaft von der Vermessung und Darstellung der Erde) und Erfinder eines frühen Kreiselkompasses, der sogenannten Bohnenberger-Maschine. Um die Genauigkeit astronomischer Messungen weiter zu verbessern, bestellte Bohnenberger im Jahr 1812 eines der präzisesten astronomischen Messinstrumente seiner Zeit. Für dessen Nutzung wurde 1814 auf der Bastion des Schlosses ein eigenes Observatorium mit drehbarer Kuppel errichtet. Das Gebäude war speziell auf dieses Instrument abgestimmt und diente vor allem der exakten Bestimmung von Sternpositionen sowie der Vermessung der Erde. Eine besondere historische Bedeutung erhielt das Observatorium durch die württembergische Landesvermessung. Nachdem Württemberg 1806 zum Königreich geworden war, sollte das gesamte Staatsgebiet erstmals systematisch vermessen werden. Bohnenberger übernahm die wissenschaftliche Leitung dieses Projekts, dessen Ausgangspunkt auf dem Nordostturm des Schlosses lag. Von hier aus wurde das Triangulationsnetz aufgebaut, das über Jahrzehnte die Grundlage aller amtlichen Karten Württembergs bildete. Damit wurde das Observatorium zu einem zentralen Bezugspunkt für die Kartografie des Landes. Nach Bohnenbergers Tod im Jahr 1831 verlor die Sternwarte allmählich ihre wissenschaftliche Bedeutung und geriet in Vergessenheit. Erst im Jahr 2002 wurde der originale Reichenbach- Wiederholungskreis (vereinfacht: Messinstrument zur mehrfachen Messung von Winkeln zwischen Himmelsobjekten zur Verringerung von Messfehlern) wiederentdeckt und anschließend aufwendig restauriert. Im Zuge dieser Arbeiten wurde auch das Observatorium umfassend saniert.