Weinbaugeschichte
Heutzutage sucht man Weinberge rund um
Tübingen weitestgehend vergeblich. Im
Mittelalter war das aber noch ganz anders.
Vermutlich brachten die römischen Siedler den
Weinbau in die Region, der bis ins 16.
Jahrhundert ein wichtiger Wirtschaftszweig der
Stadt war. Damals lebte ein großer Teil der
Bevölkerung vom Weinanbau.
Der gekelterte Wein war nicht nur bedeutsam
für den Handel, sondern auch ein wichtiges
Nahrungsmittel. Eine besondere Rolle spielte
Wein in der Kirche, wo er als Messwein bei der
Eucharistie unverzichtbar war. Dafür wurden oft
besonders reine und hochwertige Weine
verwendet, die eigens für liturgische Zwecke
reserviert waren. Insgesamt war Wein sowohl
im religiösen als auch im alltäglichen Leben der
Menschen fest verankert.
Erst 19. Jahrhundert ging diese Bedeutung
deutlich zurück, unter anderem aufgrund
wirtschaftlicher Veränderungen und
ungünstigerer Bedingungen. Heute spielt der
Weinbau in Tübingen nur noch eine geringe
Rolle.
Im Mittelalter und der Neuzeit wurden Winzer
meist als Weingärtner bezeichnet, denn sie
arbeiteten im Weingarten, auch als Weinberg
bekannt. Der Weingärtner bewirtschaftete
meist kleine, steile Weinberge und gehörte der
einfachen Stadtbevölkerung an. Das kleine
Weingärtnerhaus (Rathausgasse 6) stammt im
Kern aus dem 15. Jahrhundert und erhielt im
18 Jahrhundert sein heutiges Aussehen. Rechts
vom Gebäude ist ein kleines „Kellerhaus“
erhalten.