Judengasse
Im Jahr 1335 wurden erstmals jüdische Bürger
in Tübingen urkundlich erwähnt, wobei davon
ausgegangen wird, dass hier bereits im 12.
oder 13. Jahrhundert jüdische Familien lebten.
Damit reicht die jüdische Geschichte Tübingens
weit ins Mittelalter zurück und ist von
wechselvollen Entwicklungen geprägt.
Ob es im Zusammenhang mit den
Pestpogromen von 1349 auch in Tübingen zu
Übergriffen kam, ist nicht eindeutig belegt.
Bereits um 1350 wurde die „Judengasse“
erstmals erwähnt, wobei unklar ist, ob es sich
dabei um ein abgegrenztes Ghetto handelte. In
der zweiten Hälfte des 15. Jahrhundert wurden
die jüdischen Bewohner aus Tübingen
vertrieben, was im Zusammenhang mit
allgemeinen Ausgrenzungstendenzen in vielen
süddeutschen Städten stand und durch die
wachsende Bedeutung der Universität
zusätzlich verstärkt wurde.
Erst im 19. Jahrhundert entstand in Tübingen
erneut eine jüdische Gemeinde. Jüdische
Familien siedelten sich wieder an, wurden Teil
des städtischen Lebens und gründeten
schließlich auch eine eigene Gemeinde mit
Synagoge. Diese Synagoge wurde 1882 in der
Gartenstraße eingeweiht und war ein sichtbares
Zeichen der Rückkehr jüdischen Lebens in der
Stadt. Die Entwicklung wurde jedoch im
Nationalsozialismus gewaltsam beendet. In der
Pogromnacht vom November 1938 wurde die
Synagoge niedergebrannt und die jüdischen
Einwohner deportiert oder vertrieben.