Die Jakobuskirche ist die älteste Kirche in Tübingen und bildet seit 1200 das historische Zentrum der Tübinger Unterstadt. In ihrer langen Geschichte wurde die Kirche mehrfach erweitert und umgebaut. Im Mittelalter gab es in der Jakobuskirche eine Jakobusbruderschaft, die den Pilgern auf dem Weg nach Santiago de Compostela Speis und Trank anbot, sowie die Möglichkeit, günstig zu übernachten. Die Kirche liegt im Überflutungsbereich der Ammer, dem kleinen Bach im Norden Tübingens. Daher ist der Boden morastig und gibt bei Belastung nach, nicht gerade idealer Baugrund. Hochwasser überfluteten die Kirche immer wieder, sodass man sich im 15. Jahrhundert dazu entschied, die Kirche um etwa 2,5 Meter anzuheben. Im Zuge dieses Umbaus wurde ein neuer gotischer Chor errichtet und die Kirche verlängert. Diese Erweiterung der Kirche ist noch immer gut von außen zu erkennen: der Neubau wurde mit andersgeformten Quadern errichtet. Die gesamte Kirche ist auf Eichenpfählen gegründet, damit sie nicht absackt. Diese Art der Gründung wurde im Mittelalter häufig gewählt. Die Pfähle wurden unten angespitzt und dann mit großen Hämmern in den Boden getrieben, denn elektrische Hilfsmittel oder Maschinen gab es noch nicht. Eichenholz ist für diesen Zweck ideal, denn es ist haltbar und bricht nicht so leicht. Diese Gründungen stellten damals eine bautechnische Meisterleistung dar.Diese Eichenpfähle könnten im Zuge des Klimawandels zum Problem werden. Wenn der Grundwasserspiegel sinkt, können die Holzpfähle teilweise trockenfallen. Sobald sie mit Sauerstoff in Kontakt kommen, werden sie durch Pilze und Bakterien zersetzt und beginnen zu verrotten. Das kann langfristig die Stabilität von Gebäuden gefährden. Dieses Risiko ist nicht nur theoretisch, sondern aus anderen Städten gut bekannt, etwa aus den Niederlanden, wo historische Gebäude ebenfalls auf Holzpfählen stehen. Dort zeigt sich bereits, dass sinkende Wasserstände oder Bauarbeiten zu Schäden an solchen Gründungen führen können3.
An der Südseite der Kirche hängt eine Sonnenuhr. Bereits die alten Ägypter nutzen Sonnenuhren, um die Uhrzeit zu bestimmen. Damit sind es die ältesten Zeitgeber der Welt