jüdische Geschichte

Das jüdische Leben in Achim reicht bis ins 18. Jahrhundert zurück. Der erste namentlich belegte jüdische Einwohner war Jacob Alexander, der im Jahr 1746 einen sogenannten Judenschutzbrief erhielt. Dieser Schutzbrief erlaubte ihm und seiner Familie, sich im Ort niederzulassen, Handel zu treiben und bestimmte Handwerksberufe auszuüben. Nach und nach wuchs die Gemeinde auf 35 Personen an und 1844 wurde der Synagogenbezirk Achim gebildet 6 . In den 1860er Jahren war die Gemeinde schließlich so weit gewachsen, dass ein Minjan gebildet werden konnte, die Voraussetzung zur Gründung einer Synagogengemeinde. Zum Baujahr der Synagoge auf dem Grundstück der Familie Alexander gibt es unterschiedliche Angaben, vermutlich war dies 1864/1865. Wenige Jahre später wurde in der Georgstraße eine eigene jüdische Schule eingerichtet. Besonders der Lehrer Adolph Rothschild prägte nicht nur den Unterricht, sondern auch das kulturelle Leben Achims. Ab 1907 wurde die Schule deutlich vergrößert. Sie diente gleichzeitig als Wohnhaus des Lehrers und als Internat, sodass auch jüdische Jungen aus Polen und England aufgenommen wurden. Das Gebäude steht heute nicht mehr. Im Jahr 1913 waren in Achim 70 von rund 3.680 Menschen jüdischen Glaubens, was zu dieser Zeit mit zwei Prozent überdurchschnitt- lich viel war 7 . Nach dem Ersten Weltkrieg erlebte die jüdische Gemeinde in Achim zunächst einen wirtschaftlichen Aufschwung. Viele Menschen jüdischen Glaubens engagierten sich in Vereinen, waren ein geschätzter Bestandteil der Gemeinschaft und genossen hohes Ansehen. In den 1920er Jahren kam es zu ersten antisemitischen Vorfällen, die mit der Gründung der Achimer Ortsgruppe der NSDAP zunahmen. Nach der Machtübernahme 1933 verschärften sich Ausgrenzung und Gewalt: jüdische Geschäfte wurden boykottiert, Kinder in der Schule beschimpft und der Religionsunterricht verboten. Im August 1938 mussten sich die Juden Achims in Listen eintragen. Ab Oktober waren sie gezwungen, ihre Geschäfte mit Plakaten als „jüdisch“ zu kennzeichnen. Während der Novemberpogrome von 1938 verwüsteten die Nationalsozialisten die Synagoge, zerstörten die Wohnhäuser jüdischer Familien und schlugen die Scheiben ein. Danach spitzte sich die Situation deutlich zu. 1941 wurde der jüdische Friedhof in Achim geschändet. Ab 1941/1942 lebten keine Menschen jüdischen Glaubens mehr in Achim - einige konnten ins Ausland fliehen, ein Großteil wurde in Konzentrationslager verschleppt und ermordet.

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Geschichtswerkstatt Achim [2025] Seite 22